Angespielt: Edna bricht aus
16. September 2008 von Eric

Spät aber doch habe ich mir das so hochgelobte Retro Adventure “Edna Bricht Aus” gekauft und angespielt. Mit diesem Beitrag möchte ich euch einen kurzen aber dennoch prägnanten Überblick über meinen Ersteindruck geben:
Das Spiel
Edna ist ein Point&Click Adventure wie es reinrassiger nicht sein könnte. Schon die Spielepackung und die Farbwahl (Grün/Lila) erinnert Kenner natürlich an jene von “Day Of The Tentacle”. Der Titel “Edna bricht aus” ist, wie könnte es auch anders sein, ein Wortspiel und als Anlehnung an den berühmten Vulkan gedacht.
Edna, das ist die Protagonistin die ihr durch die handgezeichneten Bildschirme lotst. Diese nämlich wacht, ihrer Erinnerung beraubt, in einer Gummizelle auf. Was ist passiert? Warum steckte man sie in die Klapse? Schließlich ist Edna davon überzeugt ganz und gar nicht verrückt zu sein, was ihr auch ihr Stoffhase Harvey bestätigt.
Ihr imaginärer Freund, der Stoffhase Harvey, hat neben bissigen Kommentaren auch das sog. “Tempomorphen” drauf. Er kann Edna dazu bringen einen Teil ihrer Vergangenheit erneut zu erleben, was sie in die Lage versetzt sich an früher erlernte Dinge zu erinnern. Ganz zu Beginn des Spiels kommt diese Fähigkeit bereits zum Einsatz wenn es darum geht auf welchem, zugegeben nicht sehr hygienischem Wege, Edna Schrauben ohne Werkzeug lösen kann. Dabei bleibt der Humor stets über der Gürtellinie und rutscht auch nie auf deutsches Holzhammerniveau ab. Das Spiel bietet sogar einen melancholischen und düsteren Unterton, welcher sich im Laufe des Spiels verdichtet.
Mit “Edna” kann man sogar eine kleine Neuerung im Adventure Genre vermelden: Zum ersten Mal kann man in einem Spiel wirklich alles mit jedem kombinieren und erhält anstatt einem lapidarem “Das geht so nicht” oder “Nein” wirklich auf jede Kombination einen meist satirischen Kommentar, welcher nicht selten ein Hinweis auf die Lösung ist. Man sollte vorallem Harvey mit div. Gegenständen benutzen, was immer wieder für Lacher sorgt. Ganz getreu dem irren Szenario kann man in diesem Spiel sogar mit Gegenständen sprechen. Bei einem Monolog mit einem Gegenstand stellt sich Edna dann in ihrer Phantasie vor was selbiger antworten könnte. Das Ganze ist ziemlich abgedreht, das habt ihr so bestimmt noch nicht gesehen.

Die Grafik
Die Grafik basiert auf schlicht gezeichneten Hintergründen, welche auf den ersten Blick wie Kinderzeichnungen anmuten.
Nun, auch wenn viele Kritiker darüber nörgeln, so ist dieser Look durchaus gewollt. Im ganzen Spiel begegnet ihr schrägen und durchgeknallten Charakteren wie Herrn Mantel, der sich für einen Gehrock hält, dem im Wiener Akzent sprechenden Bienenmann der mit Wachsstiften malt, oder Juppi Jupsen, dem Börsenspekulant welcher neben seinen Aktien auch seinen Verstand verlor. Die Optik fügt sich also nahtlos in das durchgeknallte Geschehen ein.

In diesem Spiel erlebt die damals bei Lucas Arts Adventures so berühmt gewordene, heutzutage allerdings in Vergessenheit geratene, Verbenleiste eine Renaissance. Mittels “Rede Mit” “Benutze” “Nimm” “Sieh an” navigiert ihr euch durch das Geschehen. Die Packung bewirbt das Spiel als “umfangreich”. So soll es über “120 Räume” zu erkunden geben. Rechnet schonmal gut 15 Stunden Spielzeit ein, denn anders als bei vielen anderen Genrekollegen nimmt “Edna bricht aus” den Spieler nicht an der Hand. Sind die Rätsel anfangs noch relativ einfach, so erhöht sich der Schwierigkeitsgrad mit zunehmendem Fortschritt im Spiel.
Die Rätsel
In “Edna Bricht aus” löst ihr schräge Kombinationsrätsel ganz im Stil der alten Lucas Arts Adventures. Wer daran denkt eine Fliege mit Ohrenschmalz zu kombinieren um ein in Bernstein eingelassenes Fossil zu erhalten, der ist hier richtig. Auch wenn die Rätsel zu Beginn des Spiels noch relativ simpel sind – um die Ecke denken müsst ihr auch schon hier. Später im Spiel könnt ihr euch, mehr oder weniger, entscheiden welches der Rätsel ihr zuerst anpackt. Immer ist dies aber nicht möglich, denn es kommt vor dass euch ein zur Lösung essentieller Gegenstand fehlt. Hier gibt “Edna bricht aus” zumeist keine Hilfestellung.
Der Kopierschutz
Für viele Hersteller ist er obligat, der Kopierschutz. Nicht so für Xider, den Köpfen hinter “Edna bricht aus”. Bereits im Vorfeld wurde das Spiel damit beworben ohne jeglichen Kopierschutz auszukommen. Ich gebs zu, ich gehe sehr penibel mit meinen Sachen um. Da ich Adventures in der Regel nicht verkaufe, lege ich auch großen Wert darauf alles in neuwertigem Zustand zu halten. Das Konzept bei “Edna” kommt hiefür wie gelegen: Spiel installieren, die DVD zurück in die Packung und fertig. Für mich war dies einer der Gründe dieses Spiel zu kaufen, da ich dieses Vertrauen belohnen möchte. Das solltet ihr auch, wenn ihr nach Anspielen der Demo Gefallen an dem Spiel findet.
Die Bugs und andere Ungereimtheiten
Leider hat das tolle Feature alles mit jedem kombinieren zu können auch Nachteile. So birgt es vorallem ein großes Fehlerpotential, was sich bei “Edna bricht aus” in mehreren Skriptfehlern äußert. Bislang habe ich zwei Kombinationen gefunden welche das Spiel zurück auf den Desktop werfen. Neben einigen Logikfehlern werden teilweise Textzeilen nicht, oder nicht korrekt vorgelesen. Aber keine Angst, an einem Patch für all diese Probleme wird gearbeitet.
Die Engine von “Edna bricht aus” basiert auf Java, was man mit einem weinenden und einem lachenden Auge sehen kann. Auf der einen Seite ist durch die Umsetzung des Spiels in Java eine Portabilität zu anderen Plattformen gewährleistet, so kann Edna auch auf Linux oder dem Mac gespielt werden. Auf der anderen Seite ist Java etwas träge, was sich in diesem Spiel in Form von langen Verzögerungen beim Raumwechsel und an den langen Lade- und Speicherzeiten äußert.
Fazit
Der größte Kritikpunkt für Nörgler, die Grafik, ist die eigentliche Stärke des Spiels. Dieser Stil passt wie die Faust aufs Auge für dieses Szenario.
Was die Sprachausgabe betrifft so bewegt sich diese ebenso, bis auf einige Patzer, konstant auf hohem Niveau. Die Musik schwankt zwischen jazzigen und klassischen Stücken. Hinzu kommt noch dass das Spiel völlig ohne gängelnden Kopierschutz auskommt. Der Passus auf der Packung lautet zwar: “Von den Leuten die Monkey Island gut finden” allerdings würde ich persönlich Edna eher mit “Day Of The Tentacle” bzw. Maniac Mansion vergleichen.
Ich kann Genreinteressierten für dieses Spiel eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Wenn ihr unsicher seid, probiert doch einfach mal die Demo aus.
Positiv:
- Nicht nur die Optik, selbst die Rätsel sind oft in bester Lucas Arts Manier gestaltet.
- Wirklich alles mit jedem kombinieren zu können ist eine spassige Neuerung im Genre
- Kein Kopierschutz
- Großteils gute Vertonung
- Dank Java auf mehreren Plattformen spielbar
- Sympathische Vermarktungskampagne
Negativ:
- Etwas längere Lade- und Speicherzeiten (Wird wohl an Java liegen?)
- Einige Skriptfehler welche in zwei Fällen in einem Komplettabsturz resultierten
- Einige Logikfehler
- Die Lautstärke der Sprachausgabe variiert manchmal sehr stark

[...] zum Download bereit stehen, etwas später soll Daedalic, die schon das großartige “Edna Bricht Aus” vertrieben haben, auch eine Version in den österreichischen Handel [...]