Exklusiv in Deutsch – Bob Dylan über sein kommendes Album – Teil 1
18. März 2009 von Eric
Der vorliegende Artikel beeinhaltet, exklusiv für meine Leser, eine Übersetzung des Interviews welches Bill Flanagan mit Bob Dylan über sein neues Album führte.
Viele Songs des neuen Albums erinnern an die früheren Chess Record Aufnahmen aus den Fünfzigern. Hattest du diesen Sound von Anfang an im Kopf, oder ergab sich das einfach während du die Stücke gespielt hast?
Ja, manche Stücke hören sich in der Tat so an. Vorallem die Art und Weise wie die Instrumente gespielt wurden, erinnert daran.
Und dir gefällt dieser Sound?
Natürlich, sehr sogar. Die alten Chess und Sun Records Aufnahmen haben für mich den besten Sound den eine Aufnahme haben kann.
Was gefällt dir an diesem Sound?
Ich mag die Stimmung, die Intensität dieser Aufnahmen. Der Sound enthält keine unnötigen Elemente. Er ist voller Power und Spannung. Das gesamte Klangbild fühlt sich an als könnte es deinen Gedanken entspringen. Es lebt. Es ist einfach da, und pulsiert in deinem Kopf wie eine Art Zahnschmerz.
Bist du der Meinung die Chess Brothers wussten was sie da taten?
Mit Sicherheit, wie könnten sie auch nicht? Ich denke allerdings nicht dass sie realisierten, dass sie dabei waren Geschichte zu schreiben.
Hast du jemals Howlin´ Wolf oder Muddy Waters getroffen?
Ich hab ein paar Auftritte von Wolf verfolgt, hab ihn allerdings nie getroffen. Muddy kannte ich so ein bisschen.
Ich denke dass sich viele Männer mit dem Song MY WIFE´S HOME TOWN identifizieren werden. Bist du jemals mit deinen Schwiegereltern ob deiner Songs zusammengekracht?
Nein, nicht wirklich. Der einzigen Person die es betreffen könnte gefällts. Der Song ist immerhin als Kompliment gedacht.
Kommt es vor dass Verwandte bei dir vorbeischaun und dich fragen wann du endlich einen Song für sie schreibst?
Ja, eine meiner Tanten nervte mich andauernd damit. “Bobby, wann schreibst du einen Song über mich? Bobby, bringst du mich ins Radio?” Ich würde mich bei sowas unbehaglich fühlen.
Wie hast du deinen Kopf aus der Schlinge gezogen?
Ich sagte: “Hab ich schon getan, Tantchen. Du hörst nur die falschen Radiosender.
Hast du ein ein Bild des Ortes an dem deine Songs stattfinden im Kopf? Wo befindet sich der Typ in LIFE IS HARD während er diesen Song singt?
Naja, der Film ist eine Art Road Trip von Kansas City nach New Orleans. Der Junge wird sich also wohl irgendwo auf dem Weg dazwischen befinden.
Film?
Ja
Ach stimmt, du hattest etwas in diese Richtung anklingen lassen. Wie kamst du dazu?
Der französische Regisseur, Oliver Dahan, sprach mich an und bat mich einen Song für einen seiner zukünftigen Filme zu schreiben.
Wann war das?
Keine Ahnung, irgendwann im Vorjahr.
Was fandest du so verblüffend an diesem Regisseur? Du wirst doch sicher regelmäßig darauf angesprochen den Song für einen Film zu schreiben.
Ich hatte einen seiner anderen Filme gesehen, den einen über die Sängerin Edith Piaf, und er gefiel mir sehr gut.
Worum gehts in diesem neuem Film?
Es ist eine Art Reise …. eine Reise der Selbstfindung, die im Süden Amerikas ihren Lauf nimmt.
Wer spielt darin mit?
Zum Zeitpunkt des Gesprächs wusste ich nicht wer daran beteiligt sein wird. Ich glaube Forest Whitaker und Renee Zellweger werden darin mitspielen.
Und er wollte dich für den Soundtrack engagieren?
Ja, mehr oder weniger. Es kam nie klar zum Ausdruck, das Einzige dass er wirklich benötigte war eine Ballade für den Hauptcharakter, welche dieser gegen Ende des Films singen soll. Und das ist dieser Song, LIFE IS HARD.
Wurden also alle Songs dieser Platte für den Film geschrieben?
Nein, nicht wirklich. Wir fingen mit LIFE IS HARD an. Danach aber entwickelte sich die Platte in ihre eigene Richtung.
Die neue Platte unterscheidet sich sehr stark vom Nummer Eins Hit, Modern Times. Mir kommts so vor als würdest du, jedesmal wenn du einen Hit landest, alles über den Haufen werfen. Wieso reitest du nicht ein wenig auf der Erfolgswelle?
Ich denke wir haben das Konzept schon auf dem letzten Album zur Gänze ausgelaugt. Alle Songs von Modern Times wurden so abwechslungsreich und vielfältig wie nur irgendwie möglich geschrieben und gespielt, so dass sie von Allem ein bißchen was enthielten. Diese neuen Songs jedoch haben einen Hang zur romantischen Epoche.
Wie kommts?
Es gibt keinen Grund mit den Songs der neuen Platte die selbe Schiene abzudecken. Die Songs in Modern Times brachten mein Repertoire auf den neuesten Stand und das Licht wurde in eine bestimmte Richtung gelenkt. Du musst mit deinem Publikum eine bestimmte Zielgruppe im Auge haben, ansonsten ergibt es keinen Sinn.
Was meinst du damit?
Es sah zunächst nicht so aus als gäbe es einen generellen Konsens unter meinen Zuhörern. Manche bevorzugten die Songs aus der ersten Periode, manche die aus der zweiten. Manche widerrum mochten die christliche Periode. Manche die aus der Nachkolombischen, manche aus der Präraffaelitischen. Manche meiner Hörer bevorzugen die Songs aus den Neunzigern. Ich erkenne dass sich mein Publikum heutzutage allerdings nicht mehr darum kümmert aus welcher Epoche die Songs stammen. Sie fühlen Stil und Substanz aus einer Art Bauchgefühl heraus, und beschränken sich darauf. Es stößt sich niemand an den bildlichen Ausdrücken in meinen Songs. Wenn zum Beispiel in einem meiner Songs ein vorbestrafter Sterndeuter vorkommt, wird sich niemand die Frage stellen ob die menschliche Rasse dem Untergang geweiht ist. Den Darstellungen in den Songs wird heute kein metaphorischer Sinn mehr beigemessen, und das wirkte irgendwie sehr befreiend auf mich.
Auf welche Art?
Nun, stell dir zum Beispiel vor es gibt Schatten, Blumen und moosüberzogene Riffe in einer Komposition. Sie sind das was sie sind, es gibt keine Mystifizierung. So kann ich das unter Anderem beschreiben.
Wie eine Lokomotive, ein Paar Stiefel, ein Kuss oder der Regen?
Genau. All diese Dinge sind was sie sind, oder Teile davon. Erst indem du richtig mit ihnen jonglierst, ergeben sie einen Sinn.
Zum zweiten Teil des Interviews
