Gedanken zu Osama Bin Ladens Tod
3. Mai 2011 von Eric
Die Medien verbreiten die Botschaft der Rede des US Präsidenten fast im Gleichschritt. Osama Bin Laden ist tot, er wurde beim Schusswechsel mit einem Kommando Team der Navy Seals in Abbottabad durch einen Kopfschuss tödlich verwundet. Sein Leichnam wurde ausgeflogen und auf See nach muslimischer Tradition bestattet. Das Volk jubelt, schließlich wurde der mutmaßliche Drahtzieher des Anschlages vom 11. September gefasst und unschädlich gemacht. Regierungen aus aller Welt klatschen artig Beifall, ein Sieg für die ganze Menschheit über den Terror?
Noch unter der Ära Bush, im Jahre 2004, wurden mit dem “Intelligence Reform and Terrorism Prevention Act” als Reaktion auf den 11. September erstmals 15 amerikanische Geheimdienste unter einem obersten Organ, einer natürlichen Person, dem sogenannten “Director Of National Intelligence” zusammengefasst und diesem unterstellt. Diese Position wurde seit ihrer Einführung von insgesamt 4 Personen ausgeübt. Bush ernannte 2005 Negroponte sowie 2007 dessen Nachfolger im Amt McConell. Obama designierte den medial stark unter Beschuss geratenen Clapper für diesen Posten, er folgte Blair nach und stellt den derzeitigen Präsidenten.
Nach Meinung von Michael Scheuer, einem ehemaligen Agenten der CIA, erfolgte dieser Schwenk aufgrund der Tatsache dass sich die Geheimdienste gegenseitig im Weg, und daher auch nicht in der Lage waren angemessen auf den Anschlag vom 11. September zu reagieren. In seinem Buch erzählt er zum Beispiel über Rivalitäten zwischen NSA und CIA, die Weigerungen der NSA dem CIA Unterlagen und Aufzeichnungen zum Fall Bin Laden auszuhändigen (Zitat: “Hört ihn doch selbst ab„). Durch den geschaffenen Posten des DNI sollen derartige Umstände ausgeschalten und somit die Geheimdienste befähigt werden effizienter zu arbeiten. Dem DNI unterstehen insgesamt 15 amerikanische Geheimdienste, darunter das FBI, die NSA und die CIA.
Die Presse hat heute in einem Artikel publiziert ”politische Beobachter” seien der Meinung dass ein Prozess gegen Osama Bin Laden einem Zirkus geglichen hätte. Andrew Exum, ein früherer US Offizier spricht gar von einer “rechtlich komplizierten Situation”. Ich bin auch dieser Meinung und sage dass es ein mediales Fiasko für Amerika bedeutet hätte. Aber spielen wir das Szenario doch einfach durch. Alle Geheimdienste, trotz ihrer seit dem “Intelligence Reform and Terrorism Prevention Act” zweifellos effizienteren Struktur, können offenbar keine handfesten Beweise für eine Verstrickung von Osama Bin Laden mit den Anschlägen des 11. September herstellen. Selbst auf der “Most Wanted” Seite des FBI wird Osama lediglich mit den Anschlägen vom 7. August 1998 in Verbindung gebracht, für andere globale Terroranschläge spricht das FBI lediglich eine Verdächtigung aus. Zwar gab es 2004 eine Videobotschaft von Osama Bin Laden in der er sich, sofern die Übersetzung von Al Jazeera korrekt ist, zu den Anschlägen bekennt, einen Beweis bleiben die Nachrichtendienste aber dennoch schuldig.
Spinnen wir den Gedanken aber weiter. Osama Bin Laden wird also vor ein Militär- oder ein ziviles Gericht gestellt. Dort kann man ihm aber lediglich die Anschläge aus dem Jahr 1998 zur Last legen, für 9/11 fehlen die Beweise. Für Osama Bin Laden macht das keinen Unterschied, er wird zum Tode verurteilt, die amerikanische Bevölkerung aber gerät in Rage. Da wurde jahrelang Osama Bin Laden als DER Drahtzieher von 9/11 hochstilisiert und nun kann er dafür nicht verurteilt werden? Vor 2 Jahren hat der niederländische Anwalt Gerard Spong, über den ich zufällig gestolpert bin, interessanterweise ein ähnliches Plädoyer in einer fiktiven TV Show gefällt. Dass sich die USA dieses heikle Szenario durch den vorzeitigen Tod des Terrorpaten ersparen konnten, ist sicherlich für viele eine Erleichterung. Vor allen Dingen für Obama der sich ja bereits für den kommenden Wahlkampf rüstet. Die Ausschaltung Bin Ladens wird für immer mit seiner Amtszeit assoziiert werden. Sein Volk jubelt, die Massen scheinen befriedigt zu sein, alles ist gut. Oder ist etwa doch alles beim Alten geblieben?





